Warum Besserwisser die Welt retten (nicht wirklich)

Warum Besserwisser die Welt retten (nicht wirklich)

Besserwisser wissen alles besser – das behaupten sie zumindest. Doch warum gibt es sie überall und was treibt sie an? Ein provokanter Blick auf das Phänomen.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Es gibt sie seit Anbeginn der Zeit, diese Leute, die meinen, alles besser zu wissen - die Besserwisser. In einer Zeit, in der Fakten und Meinungen oft verwechselt werden, ist es wichtig zu fragen: Wer sind diese Besserwisser, was machen sie, und warum scheinen sie überall zu sein? Besserwisser sind typischerweise jene selbsternannten Experten, deren Lieblingsbeschäftigung darin besteht, andere zu korrigieren. Oft finden sie sich in Kommentarfeldern im Internet, an Kaffeetischen im Büro oder bei Familienessen, wo sie bei jeder Gelegenheit ihre „überlegenen“ Kenntnisse zur Schau stellen.

Wie oft begegnet man im Alltag jemandem, der allem seine überlegene Meinung aufdrängen will? Es ist, als ob sie einem das Gefühl vermitteln möchten, man sei ein kompletter Dummkopf im Vergleich zu ihrer erleuchteten Weisheit. Wer könnte solche Leute übersehen, die immer darauf bestehen, zu erklären, warum ihr Denkansatz der einzig wahre ist? Was aber treibt diese Menschen dazu, ihre Nase in alles zu stecken und anderen zu erklären, warum alles falsch ist, was sie tun?

Natürlich findet dieser Charakterzug auf beiden Seiten des politischen Spektrums Zuspruch. Jedoch muss man hervorheben, dass die Neigung, immer viel zu wissen, oft eine konservative Eigenschaft ist. Konservative tendieren dazu, auf Traditionen und bewährte Praktiken zu vertrauen und legen Wert auf die Fakten und Historie. Aber warum sehen sie dann oft auch von der anderen Seite ihrer politischen Gegenüber den stets erhobenen Zeigefinger eines Besserwissers? Vielleicht, weil manch einer das Bedürfnis empfindet, der Welt seinen überlegenen Intellekt zur Schau zu stellen, ganz gleich, wie wenig gefragt er ist.

Man könnte meinen, der Zwang der Besserwisser, immer das letzte Wort zu haben, rührt daher, dass sie im tiefsten Inneren die Unsicherheit ihrer Meinung verbergen. Anstatt anderen zuzuhören oder differenzierte Ansichten zu berücksichtigen, entscheiden sich Besserwisser oft dafür, ihre Sicht der Dinge als die einzig wahre darzustellen, notfalls mit einer penetranten Arroganz. Es wäre allzu einfach zu sagen, dass der Drang, als Besserwisser aufzutreten, nur in liberalen Kreisen zu finden ist – oh ja, liberal, das war das eine Mal! Aber vielmehr ist es eine Erscheinung, die jeder politischen Bewegung eigen ist.

Einige mögen sagen, dass Besserwisser eine wichtige Rolle spielen, indem sie Missverständnisse aufklären. Ja, manchmal sind sie diejenigen, die Informationen prüfen und Tatsachen statt Mythen verbreiten. Aber mehr als häufig wird der Besserwisser trojanisch eingesetzt, um das Selbstwertgefühl seiner Mitmenschen zu untergraben und das eigene Ego aufzupolieren – und das nicht nur am Wahltag.

Was kann man gegen Besserwisser tun, die die Diskussion mit ihrer allzu häufig ungebetenen Expertise entgleisen lassen? Man könnte ganz einfach nicht zuhören oder sogar schlicht widersprechen, aber achtung! Bewaffnet mit Informationen aus dubiosen Quellen werden sie ihre Theorien bis auf das Blut verteidigen. Ein offener Dialog scheint im ersten Moment die Lösung zu sein, aber wie akzeptiert man Wahrheiten von Menschen, die es blockieren?

Eine taktvolle Strategie, die Besserwisser zu entwaffnen, könnte platonic gefragt werden, anstatt zu versuchen, sie zu diskreditieren: „Warum kommst du zu dieser Schlussfolgerung?“ Sie auf den Prüfstand ihrer Argumente zu stellen, ohne einen persönlichen Angriff zu wagen, zeigt oft, wie wackelig ihre Grundlage wirklich ist. Wir leben in einer Welt, in der das Streben nach Wissen anerkannt sein sollte, aber nicht um den Preis, dass es als Waffe verwendet wird, um andere zu übergehen.

Also, was tun? Vielleicht das Bewusstsein schaffen, dass niemand die alleinige Wahrheit gepachtet hat. Die Vorstellung, dass das Eingestehen von Fehlern und der Wunsch zu lernen eine größere Stärke zeigt als endlose Predigten, ist befreiend. Mit der Anerkennung eigener Wissenslücken öffnet sich oft eine neue Welt des Dialogs – und genau das ist es, was die Gesellschaft heute mehr denn je braucht.

Besserwisser könnten die Welt retten, wenn sie ihre Bemühungen darauf fokussieren, als Beitragende statt als Allwissende aufzutreten. Aber solange sie lieber darauf beharren, ihre unwiderlegbare Richtigkeit kundzutun, werden sie sich womöglich in der Sackgasse ihrer eigenen Illusionen verlieren.