Was haben Lenin, Eva Perón und Jim Morrison gemeinsam? Abseits ihrer bedeutenden Leben sind es ihre Leichen, die ungeahnte Aufmerksamkeit und Skandale hervorriefen. Die berühmtesten Leichen der Welt ziehen Menschen an wie Motten das Licht—selbst im Tode scheinen sie uns nicht alleine lassen zu wollen. Hier werfen wir einen konservativen Blick auf einige von ihnen und die Kontroversen, die bis heute an ihren sterblichen Überresten haften.
Beginnen wir mit Wladimir Iljitsch Lenin. Nach seinem Tod 1924 wurde er zum Symbol des Kommunismus erhoben—und das in einem teuren Mausoleum, das ihm in Moskau gewidmet wurde. Es ist irgendwie ironisch, dass ein Mann, der die Arbeiterklasse fördern wollte, jetzt als Wachspuppe in einem teuren Glaskasten liegt, damit Millionen jedes Jahr reisen, um ihn anzuschauen.
Im Gegensatz dazu steht Mao Zedong, der große Vorsitzende der Volksrepublik China. Einem Land, das sich offiziell als atheistisch betitelt, schien es angemessen, dass sein Anführer aufbewahrt wird wie eine reliquienartige Ikone. Ebenfalls ein kommunistischer Führer, dessen Körper das Volk weiterhin inspizieren darf. Doch das Pflegepersonal des Mausoleums kämpft mit den Auswirkungen der Zeit auf seinen einbalsamierten Körper. Ein Mahnmal der Vergänglichkeit menschlicher Herrschaft?
Eva Perón, die charismatische First Lady Argentiniens, war bereits zu Lebzeiten eine Heldin vieler. Doch ihre Leiche erfuhr eine wahre Odyssee: gestohlen, versteckt und schließlich nach über 20 Jahren auf einem Mailänder Friedhof entdeckt. Der Kult um Evita ist real, und diese makabre Geschichte ihrer Leiche hat den Mythos nur noch mehr in die Höhe getrieben.
Gut, machen wir uns nichts vor: Selbst die USA leisten sich diese Toten-Verehrung. Präsident Abraham Lincoln aus dem Geschichtsbuch? Seine Leiche wurde ein gutes Dutzend Mal umgebettet, immer wieder sollten Umzüge und Grabräubereien bekämpft werden. Und das ist die sicherste Trumpfkarte, wenn es um den Einfluss dieser Persönlichkeiten auf die Nation geht.
Doch auch die Popkultur ist nicht immun gegen das Phänomen der berühmten Leichen. Jim Morrison, der legendäre Sänger der Doors, brachte dem Père Lachaise Friedhof in Paris regelrechte Pilgerfahrten ein. Nicht weil der Friedhof so einladend wäre, sondern weil sein Grab zum Wallfahrtsort für Fans wurde. Eine Generation, die nach Freiheitsikonen sucht, klammert sich an ein Symbol, das lediglich noch aus Stein und Erde besteht.
Selbst im Tod scheinen manche Menschen verdammt zu sein, eine Rolle zu spielen. Zum Beispiel Tutanchamun, der ägyptische Pharao. Die Ägyptologen sind nicht nur von der Goldmaske fasziniert, sondern auch von der Frage, wie und warum er so jung gestorben ist.
Auch der britische Abenteurer Sir Ernest Shackleton verdient eine Erwähnung. Seine endgültige Ruhestätte befindet sich auf der abgelegenen Insel Südgeorgien, wo er 1922 beigesetzt wurde. Ein Symbol für Pioniergeist und Abenteuerlust, der in einem kalten Grab in einem verlassenen Teil der Welt ruht, was nur seine Legende festigt.
Da gibt es auch die künstlerische Ader des Toten-Kults, à la Salvador Dalí. Der verstörende Surrealist wurde in seinem eigenen Museum in Figueres, Spanien, beigesetzt, als ob sein Werk ohne seine Anwesenheit nicht vollständig wäre. Man fragt sich, ob dalínistische Albträume auch posthum stattfinden können.
Und wenn wir schon bei Künstlern sind, ist Ludwig van Beethoven ein weiteres Beispiel. Wie viele Male kann man an einem Ort bestattet sein? Im Falle Beethovens wurde seine Leiche über die Jahre durch mehrere Umbettungen von einem Ort zum anderen verschoben.
Von antiken Herrschern bis zu modernen Rockstars zeigt die Geschichte der berühmten Leichen, dass der Tod kein Hindernis für Einfluss ist. Von glorreichen Mausoleen bis hin zu ruhigen Gräbern in der Einöde sind diese Körper zu Symbolen gemacht worden, die einen fragwürdigen Kultstatus genießen. Ein Kultstatus, den die globalisierungsbegeisterte und konsumierende Gesellschaft kaum hinterfragt. Die Frage bleibt: Wird die Geschichte so geschrieben oder nur gefeiert?