Das Entstehen von Filmen wie Bekas zeigt, wie weit unser Verständnis von Kultur und Gesellschaft aufgeweicht wurde. Wer hätte gedacht, dass eine Geschichte so simpel und doch so provokativ im liberalen Sinne aus dem Nahen Osten in die Welt hinausgetragen werden könnte? Im Jahr 2012 lieferte der irakisch-schwedische Regisseur Karzan Kader mit Bekas genau diesen Plot. Der in Kurdistan gedrehte Film erzählt die Geschichte von zwei Waisenkindern, Dana und Zana, in den 1990er Jahren, die sich aufmachen, um nach Amerika zu gelangen. Dies allein gibt schon Anlass für interessante Diskussionen, vor allem, wenn die Reise aus einer politisch konservativen Sichtweise betrachtet wird.
Beginnen wir mit der Faszination, die dieser Film auf viele ausübt. Die jüngeren Generationen scheinen von Geschichten über Migration und das Streben nach einem vermeintlich besseren Leben nicht genug zu bekommen. Doch die Frage bleibt: Ist das alles realistisch? Bekas bringt uns zum Schmunzeln, wenn wir die naive Perspektive der beiden Jungen beobachten, die in die vermeintliche Supermacht aufbrechen wollen, von der sie glauben, Superman persönlich zu treffen. Diese kindliche Unschuld mag bewegend sein, aber wenn wir die Welt durch die Augen der Realität sehen, erkennen wir den perfiden Einfluss liberaler Ideologien, die den Amerikanischen Traum als einzige Lösung anpreisen.
Dank der Kraft von Hollywood und dem Einfluss der westlichen Medien auf junge Köpfe gilt Amerika auch in fernen Regionen wie Kurdistan als das gelobte Land. Eine Betrachtung unserer globalen Gesellschaftspolitik zeigt, wie Filme wie Bekas der Versuchung erliegen, naive Migrantengeschichten zu romantisieren. Anstatt die harten Realitäten von Hunger, Armut und Kriminalität in der „gelobten“ westlichen Welt darzustellen, entschließen sich die Macher, ein Märchen von Hoffnung und Abenteuer zu präsentieren, das wohlgesonnene Liberale entzückt, die von solchen Fluchten träumen.
Man kann nicht anders, als zu fragen, warum Bekas die Vorstellung unterstützt, dass das westliche Leben für jeden zugänglich ist, der es auf eine Bootsfahrt oder Flucht schafft. In der Realität sieht das Einwanderungsspiel bekanntlich sehr anders aus. Bereitstellung von unerschöpflicher Unterstützung und freiem Zugang für alle? Das klingt sehr liberal und wohl eher wie ein Traum. Diese naive Perspektive, die uns von Bekas verkauft wird, hat zweifelsohne Einfluss auf jene, die im Westen entscheidende politische Ämter innehaben und mit der Verantwortung kämpfen, die Folgen der zügellosen Migration zu bewältigen.
Und was ist mit der Moral der Geschichte? Zwei Jungen auf einem Esel machen sich auf den Weg, bewaffnet mit Träumen und Fantasien – ein empörender Kontrast zur Wirklichkeit, in der echte Reisen durch Krisen, Gefahren und bittere Lektionen gekennzeichnet sind. Doch Bekas zieht es vor, eine leichte, fast komische Art des narrativen Zugangs zu wählen. Dieses kindliche Abenteuer grenzt an Ignoranz gegenüber den Herausforderungen, die auf echte Flüchtlinge warten. Die Kritik lässt Fragen offen: Wurde hier absichtlich eine Trivialisierung etabliert, um Zuschauer zu ermutigen, die Realität des Lebens anderswo zu verkennen?
Ein weiterer Punkt, der Beachtung verdient, ist die Darstellung von Helden und Idolen. Natürlich hat jeder das Recht, seine eigenen Helden zu wählen, aber durch die Darstellung einer Figur wie Superman in der Geschichte wird erneut der Einfluss westlicher Popkultur auf junge Träume enthüllt. Sicherlich könnte Supermans Fähigkeit, alles und jeden zu retten, auch Kinder in Kurdistan begeistern. Doch es ist fragwürdig, warum lokale Helden oder, noch besser, realistischere Vorbilder nicht stärker in den Vordergrund gestellt werden. Diese Entscheidung impliziert eine Bevorzugung der westlichen Erzählung, und das ganz ohne subtile Grenzen.
Es ist auch wichtig zu bedenken, dass Bekas eine Geschichte der Entschlossenheit und Ausdauer ist. Diese Qualitäten sollten geschätzt werden, da sie den Willen vermitteln, sich Veränderungen zu stellen und Unbill zu überwinden – etwas, das viele in schweren Zeiten brauchen. Doch ein nüchterner Blick, der keine rosige Brille aufsetzt, sondern die harte Realität und die Reife erfordert, würde uns dazu bringen, darüber nachzudenken, wie gut Kinder vorbereitet sind, sich stabilen, zukunftsorientierten Idealen zuzuwenden, im Gegensatz zu den flüchtigen Träumen von Superhelden und einfachen Auswegen.
Abschließend sei gesagt, Bekas mag unterhaltsam sein, mit all seiner kindlichen Unbekümmertheit und den Abenteuern zweier Jungen auf der Suche nach Freiheit. Doch aufgeklärte Beobachter fragen sich, wie der Film sich in die Weltanschauungen von Menschen einfügt, die damit rechnen, dass Migration und die Herausforderungen westlicher Gesellschaften weitaus komplexer sind, als es solch eine naive Geschichte darzustellen vermag. Ein aufschlussreicher Film, ja, aber auch einer, der womöglich mehr Fragen aufwirft als echte Antworten bietet.