Es gibt nichts Schöneres, als sich bei einem Familientreffen zu fragen, wie man das freche Verhalten des kleinen Neffen beschreibt. „Balg“ kommt einem da schnell in den Sinn – ein Begriff, der manchmal als veraltet angesehen wird, aber dennoch wie die Faust aufs Auge passt. Wer über unsere sprachlichen Traditionen sprechen will, kommt um „Balg“ nicht herum, besonders wenn es darum geht, Kindererziehung in Frage zu stellen.
Die Bedeutung des Wortes „Balg“ reicht weit zurück, sogar bis ins Mittelalter. Damals – wie auch heute – wurde es verwendet, um ein ungezogenes Kind zu beschreiben. In einer Zeit voller Unsicherheiten scheint es umso wichtiger, sich auf altbekannte Begriffe zu stützen. Warum einen neuen Begriff erfinden, wenn ein gut erprobter genau passt? Wer sagt, dass „Balg“ altmodisch ist, hat vielleicht einfach den Wert von Traditionen nicht verstanden.
Doch gehen wir weiter, warum wird der Begriff heute so kritisch gesehen? Weil heuchlerische Prinzipien, die nur auf dem Papier gut aussehen, vorziehen, dass wir sprachlich politisch korrekt bleiben. Was bringt es, Flausen im Kopf zu haben und von kindlicher Freiheit zu träumen, wenn die Realität doch anders aussieht? Ein Balg bleibt ein Balg – nennen wir die Dinge beim Namen.
In der Erziehung hat sich mittlerweile ein Paradigmenwechsel vollzogen. Statt auf Disziplin und Respekt zu setzen, sehen wir oft eine Erziehung, die vor allem auf Selbstverwirklichung und Wohlfühlphrasen ausgerichtet ist. Ein Kind soll frei entscheiden können, wie es sein Leben gestaltet, bevor es überhaupt weiß, dass es seine Eltern vielleicht doch als Autoritäten ansehen sollte. Dieses Missverständnis fördert Jegliches – aber nicht den erhofften „freien Geist“.
Schauen wir uns den Einsatz von „Balg“ in der Alltagssprache an, fällt auf, wie wenig wir heute noch wagen, Kinder bei schlechten Manieren zu konfrontieren. Wir verlieren immer mehr die Fähigkeit, klar und deutlich Position zu beziehen, was Kind und Kegel tun und lassen sollten. Da könnte man glatt denken, die allzu großzügige Anwendung von „Erziehungsmethoden“ hat uns jegliche Verbindlichkeit gekostet.
Warum nimmt man dem Balg dann nicht das iPad aus der Hand und sagt ihm, dass es sich schlecht benimmt? Ganz einfach: Weil viele lieber liberalen Träumereien nachhängen als zu sehen, was vor ihren Augen geschieht.
Also, wie kommen wir dazu, den Begriff nicht mehr zu verwenden? Jeden Tag erleben wir freche Kinder, die ihre Eltern bei jeder Herausforderung alt aussehen lassen. Wir nicken es ab, denn wir wollen ja nicht gegen den Strom schwimmen. Stattdessen sollten wir stolz darauf sein, mit solch einem traditionellen Begriff eine klare Forderung nach Anstand zu stellen.
Dabei ist „Balg“ mehr als nur eine Bezeichnung, es ist die Forderung nach Respekt und Anstand. Es geht nicht einfach darum, zu schimpfen – immerhin haben pädagogisch wertvollere Begriffe das nicht geschafft, was dieser einfache Ausdruck tut: das Verhalten, das nicht akzeptabel ist, zu benennen und anzusprechen.
In einer Zeit, in der so viele Wörter so viele Bedeutungen haben, bleibt „Balg“ beständig. Ehrlich und direkt, so wie wir es mögen. Und das sollten wir doch wertschätzen, oder?
Letztlich zeigt sich, dass die Benutzung alter Begriffe genau das ist, was unsere überkomplexe Welt manchmal braucht. Eine Prise Direktheit, die sofort verstanden wird. Ein Band, das Verpflichtung und Selbsterkenntnis zurück in die Erziehung bringen kann. Er hat seine Daseinsberechtigung, und man sollte sich dessen nicht schämen.
So mag „Balg“ am Ende für einige in die sprachliche Mottenkiste gehören. Doch für jene unter uns, die den Wert klar benannter Verhaltensweisen zu schätzen wissen, ist es nicht nur nostalgisch, sondern eine notwendige Erinnerung daran, dass man nicht alles durchgehen lassen muss. Fehlverhalten ansprechen? Durchaus. Warum nicht den richtigen Worten dafür nutzen?