Was für ein Titel: "Ausländische Teufel"! Ein Werk, das neugierig macht und heftige Debatten entfacht. Geschrieben von Carl von Ossietzky im Jahre 1923 – einer Zeit, wo die emotionale wie politische Landschaft Deutschlands alles andere als ruhig war. Diese Novelle ist ein satirischer Kommentar auf die Überfremdungsangst der Weimarer Republik, die sehr gut in unsere heutige Zeit passt. Was Ossietzky hier meisterhaft macht, ist die Darstellung einer Gesellschaft, die von Paranoia und moralischer Überlegenheit zerfressen ist, während sie sich in ihrer eigenen kulturellen Überheblichkeit suhlt.
Nun, was genau macht "Ausländische Teufel" so pikant? Es ist die Schärfe, mit der Ossietzky jene karikiert, die sich durch den Zuzug vermeintlich fremder Kulturen bedroht fühlen. Es sind charakterstarke Figuren, die, angetrieben von einer Mischung aus borniertem Nationalstolz und Ignoranz, alles daran setzen, das vermeintlich Eigene zu bewahren – oft mit grotesken Ergebnissen. Diese Charaktere entlarven sich in ihrer Übertreibung und intellektuellen Starrheit selbst, während der Leser mit amüsiertem Kopfschütteln die Szenarien verfolgt.
Die Novelle spielt in einem fiktiven Deutschland, das so real wirkt, als wäre es eine Vorahnung unserer Welt. Dort, wo „Fremdes“ als Sündenbock herhalten muss für alles, was schief läuft, wird das Innenleben einer konservativen Denkweise seziert. Die Erzählung provoziert scharfsichtige Fragen: Was nährt unsere Vorurteile? Und warum brauchen wir Sündenböcke anstatt Lösungen? Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass Ossietzky genau wusste, wie man eine Liberale mit einem spitzbübischen Schmunzeln konfrontiert.
Ossietzky war in Sache Instrumentalisierung der Fahrigkeit von liberalen Idealisten seiner Zeit ein Meister. Da wird nicht gekuschelt, sondern die Ironie mit einer präzisen Schärfe aufgespießt, die man selten findet. Die Parallelen zwischen dem damaligen und heutigen Medienzirkus sind unübersehbar. Da plärren Stimmen des vermeintlichen Guten und fordern, fast schon willenlos, noch mehr Offenheit, ohne zu erkennen, dass sie dabei oft nur ihrer Illusion erliegen.
„Ausländische Teufel“ rüttelt auf. Ossietzky zeigt uns, wie fehlerhaft ein Konzept von nationaler Solidarität sein kann, das sich nur nach innen richtet und dabei die wachsenden Probleme und Risse seiner Überzeugungen ignoriert. Es ist eine Erinnerung daran, dass nationale Identität nicht in Beton gegossen ist, sondern flexibel und dynamisch – zu oft aber wird sie von ihren selbsternannten Verteidigern in ein starres Korsett gezwängt.
Die Frage bleibt, warum sich so viele Menschen von Satiren wie dieser angegriffen fühlen. Vielleicht, weil Wahrheit oft schmerzhaft ist? Ein Eindruck bleibt sicher: Man kann gegen Veränderungen sein – aber wer es alleine dadurch versucht, dass er das "Eigene" glorifiziert und das "Fremde" dämonisiert, der steht auf verlorenem Posten.
Wir können uns kaum des Gefühls verwehren, dass "Ausländische Teufel" mehr ist als eine bloße Erzählung. Es ist ein Spiegel, der es vermag, die innersten Ängste und Vorurteile jener zu reflektieren, die glauben, sie kämen durch Einigelung weiter. In dieser Hinsicht sind wir vielleicht weniger modern als gedacht – und Ossietzky hat gerade deswegen einen Nerv getroffen.
Als Fazit dieser literarischen Bombe sei gesagt: Man sollte „Ausländische Teufel“ nicht nur als Unterhaltung, sondern als kritischen Diskurs sehen. Man mag argumentieren, es sei lediglich eine Satire. Doch ist es nicht so, dass oft das Lachen im Halse stecken bleibt, wenn es um die eigene Wahrheit geht? Ein spöttisches Meisterwerk, das uns dazu zwingt, in den Spiegel unserer Gesellschaft zu blicken und zu erkennen, ob wir wirklich so klarsichtig-progressiv sind, wie wir glauben.