Wenn es um historische Aufarbeitungen geht, hat kaum jemand die gleiche mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie Ascensión Mendieta. Wer war diese Frau, und warum wollen manche Menschen aus ihrer Geschichte einen emotionalen Spektakel machen? Ascensión Mendieta war eine einfache Spanierin, die 1936 ihren Vater Timoteo im spanischen Bürgerkrieg verlor. Er wurde während der brutalen politischen Säuberungen exekutiert und lag jahrzehntelang anonym in einem Massengrab in Guadalajara, Spanien - was seine Familie natürlich nicht sehr amüsierte. Es dauerte bis 2016, bis seine sterblichen Überreste exhumiert wurden.
Nun, warum das ganze Getöse um diesen einen Fall, wenn doch Tausende von Einzelschicksalen dasselbe Schicksal erlitten? Nun, hier fängt das Spektakel erst an. Ascensión Mendieta wurde zum Symbol für den Kampf um historische Gerechtigkeit in Spanien, und das passte ausgezeichnet zu der politischen Agenda einiger, die mit dem Finger auf die Vergangenheit zeigen, ohne die Verhältnisse von damals objektiv zu betrachten.
Erstens, die politische Landschaft während des spanischen Bürgerkriegs war verheerend komplex. Es war ein blutiger Kampf zwischen republikanischen und nationalistischen Kräften, in dem Grausamkeiten auf beiden Seiten begangen wurden. Die narrative Vereinfachung auf einen simplen Kampf Gut gegen Böse missachtet die historischen Fakten, und doch scheinen viele das nur zu gerne zu ignorieren.
Zweitens, es handelt sich um eine alte Geschichte, die fast ein Jahrhundert zurückliegt. Die heutige Generation hat andere dringende Probleme, doch manche nutzen Geschichte, um heutige politische Punkte zu gewinnen. Es wirkt fast so, als gäbe es eine Art Freude daran, alte Wunden ständig aufzureißen, statt sie heilend zu verschließen.
Drittens möchten wir nicht übersehen, dass die Exhumierung und Identifizierung von Timoteos Überresten selbst ein kostspieliger Prozess war, der Gelder verschlang, die womöglich an anderer, aktueller Stelle sinnvoller eingesetzt wären. Aber wozu sich über die Verteilung öffentlicher Mittel Gedanken machen, wenn man die Vergangenheit so schön medienwirksam ausschlachten kann?
Viertens, wie sieht es eigentlich mit der wahren Anzahl ähnlicher Fälle aus? Es ist ermutigend, dass man dabei ist, generell Geschichten von Opferfamilien zu erzählen, aber hat man ein Mal den Fokus auf Mendieta gerichtet, geriet die Masse der anderen furchtbaren Einzelschicksale schnell wieder ins Abseits.
Fünftens, Medien und politische Akteure scheinen zu genießen, wie sich Schicksale wie das von Ascensión in den Vordergrund drängen lassen, um den auflagestärkeren Titel zu kreieren. Ihr Schicksal wird zur politischen Waffe, eine Trophäe auf einem moralischen Schlachtfeld, dessen Armeen aus verschiedener ideologischer Richtung Einmarsch halten.
Sechstens, da wäre die Frage, ob man sich nun irgendwann der Gegenwart zuwenden könnte. Der Fokus auf die Vergangenheit hat oft dazu geführt, die Realität von damals und die von heute nicht köstlich und nüchtern auseinanderzuhalten – ein Geschenk an all jene, die sich an der Besetzung ihrer eigenen Agenda beteiligen wollen.
Siebtens, anstatt dass man den Verlust und Schmerz der Familie Mendieta respektiert und in entsprechendem Kontext behandelt, ist es wunderbar zu beobachten, wie liberal geprägte Vorstellungen in undifferenzierter Weise weiterhin Treibstoff ins Feuer gießen.
Achtens, die Ironie ist, dass sich oft politische Diskrepanzen aus dieser Geschichte herauslesen lassen. Während eine Geschichtsverdrehung allzu oft kritisiert wird, passiert sie gerade dann, wenn es gestattet ist, sie für bestimmte Zwecke heranzuziehen. Schließlich ist die Historie allzu oft Lehrmeister über den Umgang der Einstellung zu den zwischenmenschlichen Verhärtungen.
Neuntens, manche möchten immer noch die lange Armlänge der Geschichte ausnutzen, um sich als Retter oder Beschützer aufzuspielen, ohne sich dem Stempel der Gegenwart zu stellen. Diese Vorgehensweise ist bequemer, als sich konstruktiv und leidenschaftlich der Lösung eines Problems in der Realität zu stellen.
Zehntens, abschließend wenn man Ascensión Mendietas Schicksal in der Tiefe betrachtet, bleibt einem nur zu sagen: Geschichte ist wichtig, aber sie ist auch ein Werkzeug. Der Grat zwischen Geschichtsaufarbeitung und Geschichtsverwendung ist schmal. Lasst uns Hoffnung haben, dass die Lektionen der Vergangenheit uns helfen, die Gräben der Gegenwart zu überbrücken.