Wenn ein Film deine liberalen Ohren zum Qualmen brengt, dann ist es „Angriff auf die Wall Street“. Dieser 2013 von Uwe Boll inszenierte Thriller zeigt den amerikanischen Traum in Trümmern und gezielte Wut auf die Finanzinstitute, verpackt in 99 spannungsgeladene Minuten. Unsere Geschichte dreht sich um Jim Baxford, gespielt von Dominic Purcell, ein einfacher Mann in New York City, dessen fälliges Schicksal für Kapitalismus und kalte Profitgier spricht. Nachdem die Finanzkrise seine Ersparnisse und Lebensversicherung zunichte gemacht hat, seine Frau krank und hoffnungslos ist, beginnt Baxfords blutiger Rachefeldzug gegen die Verursacher seiner Misere. Man könnte fast meinen, der Film sei wie ein Manifest für konservative Werte, verkörpert in der Gestalt eines Mannes, der endlich genug hat von einem System, das immer die Falschen belohnt.
Die Wall Street – mehr als nur ein Symbol der wirtschaftlichen Macht. Für viele konservative Denker steht sie für die Tragkraft des freien Marktes, die Amerikas Rückgrat ohne Zweifel stärkt. Doch wenn diese Kräfte außer Kontrolle geraten und der kleine Mann zu Schaden kommt, kann es sogar den hartnäckigsten Kapitalisten an den Rand der Verzweiflung treiben. „Angriff auf die Wall Street“ zeichnet eine düstere Realität, die besonders jene hervorhebt, die behaupten, nur das Gute zu bewirken. Jim Baxfords Geschichte zeigt die Heldentaten des kleinen Mannes gegen die überwältigende Ungerechtigkeit eines kaputten Systems.
Schonungslos zugespitzt zeigt der Film die Schwächen in einem Regulierungsapparat, der häufig vom liberalen Spektrum beschürzt wird. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine ideologisch getriebene Gesetzgebung und politische Blindheit das Wachstum und die Freiheit der Bürger behindern können. Ironischerweise wird hier deutlich, dass selbst Liberals nicht in der Lage sind, ein System zu entwickeln, das allen gleichermaßen dient. Stattdessen tragen ihre weit gespannten, aber leeren Versprechungen weiter zur Verschärfung der Probleme bei.
Der Film strahlt durch seinen ungeschminkt ehrlichen Ton. Man fragt sich, ob dies Uwe Bolls Absicht ist – auf die Schwächen der Elite hinzuweisen, die sich so oft selbst lobt, aber in Krisenzeiten katastrophal versagt. Man merkt, dass Baxfords Kampf keine Nachsicht gegenüber einem Establishment kennt, das viel zu lange Sichtblenden aufgesetzt hatte.
Eindrucksvoller noch ist, wie der Film die Heuchelei der selbsternannten Weltverbesserer zerlegt. Boll lässt uns zurück mit der Frage: Was ist die Antwort, wenn das System versagt? Wenn diejenigen, die das Land schützen sollen, die Taschen gefüllt haben? Vielleicht ist es dann tatsächlich ein Jim Baxford, der das Recht auf eigene Faust organisiert.
Es ist bemerkenswert, wie „Angriff auf die Wall Street“ ein so starkes Gefühl von Frustration erzeugen kann, ohne an Ernsthaftigkeit zu verlieren. Der Film ist keine Einladung zu Gewalt, er öffnet einfach die Augen für radikal unüberlegte gesellschaftliche Regression, angetrieben von einer Elite, die sich den Bezug zur Realität schon vor langer Zeit erkauft hat.
Obwohl der Film über ein Jahrzehnt alt ist, hat sein Katalysator, die globale Finanzkrise, gelerntes Misstrauen geerbt. Regierungen konnten das Chaos nicht bändigen, Banken wurden als „too big to fail“ eingestuft, während der kleine Mann, genau wie Jim, die Beule bekam. Ungezügelte Banker und Bürokraten zogen ungehindert weiter, und der kleine Bürger blieb im Regen stehen.
Nicht viele haben den Mut, das System zu hinterfragen, aber Filme wie „Angriff auf die Wall Street“ holen diese Ängste ans Licht. Natürlich bleibt die Frage: War diese Art extremen Protests tatsächlich der einzige Ausweg? Oder war es eine Hinschlächterung der Hoffnung, die zum Schwund von Glaubwürdigkeit bei jenen führte, die versprochen hatten, die Nation zu retten?
Der Film zieht die Grenze über Gerechtigkeit auf. Er wirft Licht darauf, was passiert, wenn die Sünden eines unkontrollierten Kapitals auf menschliches Leid treffen. Es lädt ein zur Diskussion über die moralischen Kompromisse, die wir bereit sind in Kauf zu nehmen. Vielleicht sollte es mehr solcher „Schockmeister“ geben, um die schwer erträglich gewordene Symbiose zwischen Geld und Politik zu entlarven.
Der Konservative in uns applaudiert Uwe Bolls Mut, einen Film zu schaffen, der dem Zeitgeist die kalte Schulter zeigt. Sein Griff in die Sickergrube der Finanzkrise ist so greifbar, als ob man selbst in Jims rachsüchtige Schuhe getreten wäre. Die Metapher lässt nicht locker: Wenn das System zusammenbricht, wenn es den Bürger in die Knie zwingt, mag es seinen besten Verteidiger damit vergessen, jene Würde wiederzugeben, die sie zerstört hat.