Man könnte meinen, Flugzeuge seien für das Überwinden von Grenzen geschaffen. Doch Alyemda, die legendäre Fluggesellschaft des Südjemen, erlebte selbst Höhen und Tiefen ganz eigener Art. Gegründet im Jahr 1971, beförderte sie Passagiere unter der Flagge der Marxisten im damals sozialistischen Südjemen. In einer Region, die sich nur zu gerne vom Rest Jemens abheben wollte, wurde Alyemda schnell zum Symbol einer überaus komplexen Zeit.
Der Süden Jemens war sozialistisch, während der Norden betont traditionell und konservativ blieb. Warum Alyemda also so wichtig war, liegt auf der Hand: Sie verband die entlegene Region mit der internationalen Gemeinschaft – oder zumindest mit dem sozialistischen Block. Doch so sehr sich die Roten damals auch wünschten, eine globale Bewegung zu starten, gelang dies Alyemda schlicht nicht. Der Himmel mochte groß sein, doch nicht groß genug für die Visionen sozialistischer Träumer.
Alyemda operierte hauptsächlich von Aden, der ehemaligen britischen Kronkolonie, aus und flog zu Zielen, die heute zu Populärkulturen gehören: Prag, Moskau, Addis Abeba. Doch waren das nicht gerade Glanzziele im Zeitalter der kapitalistischen Expansion Westlicher Airlines. Sicherheit? Eher ein theoretisches Konzept! Der tatsächliche „Wert“ der Fluggesellschaft lag im Prestige, das sie den sozialistischen Eliten in Aden bot.
Lustigerweise war es nicht nur eine Frage des Prestiges, sondern auch eine Notwendigkeit. Immerhin war die Fluggesellschaft inmitten der Wirren des Kalten Kriegs ein strategischer Partner für den Osten. Im Austausch für einerseits Symbolpolitik erhielten die Sozialisten technische Unterstützung von der Sowjetunion, inklusive jener Flugzeuge, die zu verlässlichen Inbegriffen sozialistischer Ingenieurskunst wurden.
Alyemda diente auch als eine Art Botschafter gegen den Westen – eine Farce, wenn man bedenkt, dass die sozialistischen Prinzipien des Südens nicht einmal im eigenen Land Anklang fanden. Die Luftflotte selbst war so ein Mix kultureller Einflüsse, ein Abbild der geopolitischen Verwirrung jener Zeit, ideal für ideologische Kampagnen, aber schlecht geeignet für die Praktikabilität eines modernen Verkehrsunternehmens.
Der patriotische Anspruch einer sozialistischen Revolution in der Luftfahrt war jedoch stets größer als die Realität. Die ihnen übergestülpten sozialistischen Werte und Versprechungen waren zu schwer, selbst für fliegende Maschinen. Letztendlich war Alyemda weniger ein wirtschaftlicher Erfolg und mehr ein politisches Statement, das bald von internen Konflikten und Missmanagement zerrüttet wurde.
Wer hätte gedacht, dass ein Unternehmen, das Sarkasmus geradezu verkörperte, für irgendjemanden in der Region von Nutzen sein könnte? Nachdem die beiden Teile Jemens 1990 wiedervereint wurden - nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen, die auch für Fluggesellschaften von Konsequenz sind - fusionierte Alyemda schließlich mit Yemenia, was den endgültigen Schluss einer Ära bedeutete. Die Geschichte von Alyemda ist nicht nur eine Erinnerung an das Scheitern eines Systems, sondern auch eine Lehre über die Dissonanz zwischen Ideologie und Realität.
Alyemda ist ein Paradebeispiel dafür, dass ein Konzept, gefüttert mit den Illusionen des Sozialismus, nicht in der Lage ist, den Sog der Praxis zu überwinden. Jeder, der an die naive Mär von sozialistischer Überlegenheit glaubte, wurde bald eines Besseren belehrt. Die Zahnräder des Sozialismus greifen eben nicht so reibungslos, wenn sie unaufhörlich gegen ökonomische Realitäten arbeiten müssen.
Die Tatsache, dass diese Geschichte nicht größer ist, liegt daran, dass dieser „Traum“ von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. So verwandelte sich Alyemda letztlich von einer Plattform ehrgeiziger Versprechen zur bitteren Essenz einer verschwendeten Gelegenheit – ein Sinnbild dafür, dass nicht jede optimistische Abstraktion über die politischen Abgründe hinausfliegen kann. Eine Erzählung der Enttäuschung selbst für die nostalgischsten Anhänger eines gescheiterten Experiments.