Falls Sie glauben, die amerikanische Grenze sei nur ein geographisches Detail, dann hat Cormac McCarthy mit 'Alle schönen Pferde' eine andere Sichtweise bereit. Dieses Buch, geschrieben von einem der größten literarischen Genies Amerikas, ist viel mehr als nur eine Cowboy-Geschichte im Wilden Westen. Hier treffen wir auf John Grady Cole, einen 16-jährigen Texaner, der zusammen mit seinem Freund Lacey Rawlins 1949 nach Mexiko reitet. Warum, fragen Sie? Aufgrund einer unromantischen Mischung aus Abenteuerlust und der seelentiefen Suche nach einem Platz in der Welt, der von Heuchelei und Lügen unberührt bleibt.
McCarthy ist bekannt für seine sparsamen Dialoge und detaillierten Landschaftsbeschreibungen. Genau das macht das Buch zu einem konservativen Klassiker. Hier geht es nicht um bedeutungslose Unterhaltungen oder pseudointellektuelle Tiraden über Selbstfindung. Nein, hier legen echte Männer Wert auf Taten statt Worte. Jeder Satz von McCarthy kann als Schlag gegen eine kulturell verfallene Gesellschaft verstanden werden, die mehr Wert auf symbolische Gesten legt als auf Handlungen mit Substanz.
Wenn Sie den Roman mit der rosaroten Brille der Nostalgie lesen, verpassen Sie den Kern der Botschaft. McCarthy entblößt die entsetzlichen Realitäten und das Scheitern des amerikanischen Traums. Der Protagonist muss sich mit moralischen Komplikationen, Schicksalsschlägen und einem ständigen Kampf gegen die Unversöhnlichkeit seiner Umgebung auseinandersetzen. Und damit ist nicht Mexiko gemeint. Die ärmlichen Dörfer und weiten Prärien sind Kulisse für einen sehr amerikanischen Albtraum: der Verlust der traditionellen Werte, der Verlust des Landes und der Verlust der Ehre.
Ah, die liberalen Kritiker würden wahrscheinlich sprichwörtlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und die Glorifizierung eines toxischen Männlichkeitsmodells beklagen. Dabei ahnen sie nicht, dass das eigentliche Thema dieses Romans nicht Selbstzerstörung, sondern Selbstbehauptung ist. John Grady Cole kämpft mit allem, was er hat, für seine Ideale – Loyalität, Integrität und Pflichtgefühl. Diese Werte mögen für die urbane Elite aus der Mode gekommen sein, aber für jeden, der noch an den amerikanischen Traum glaubt, sind sie das Rückgrat, auf dem eine Nation stehen sollte.
Ein weiteres bemerkenswertes Element des Romans ist seine stille Eleganz. Die Sprache von McCarthy ist direkt und ungeschminkt, so wie es die ehrlichen Gespräche unter Männern sein sollten. Hier zählt nichts anderes als das gesprochene Wort, denn es gibt keine Heimlichkeit in den Absichten. Was gesagt wurde, bleibt wie ein Symbol und wie ein Versprechen in der rauen Grenze zwischen Texas und Mexiko hängen. Der Roman zeigt eine Welt, in der ein Handschlag noch etwas wert war, im Gegensatz zu den juristischen Knebelverträgen der modernen Welt.
Die Handlung mag in den 1940er Jahren spielen, aber die Unzufriedenheit, die der Protagonist verspürt, ist universell und zeitlos. Es ist der Verlust der Heimat und der Kampf darum, zu seinen Werten und Überzeugungen zu stehen. Kaum eine Romanfigur demonstriert dies so beeindruckend und veranschaulicht damit die fundamentale Notwendigkeit und den inneren Kampf, der nötig ist, moralische Entscheidungen zu treffen – etwas, das in der heutige Zeit selten verstanden wird.
Für diejenigen, die sich nach einer literarischen Erzählung sehnen, die Authentizität in einer gefälschten Welt bietet, ist 'Alle schönen Pferde' der Roman ihrer Wahl. Er liest sich nicht nur als Abenteuerbuch, sondern als Kritiksatire Amerikas, die das Bedürfnis des Menschen aufzeigt, die Rückkehr zu einem ehrlicheren und wahrhaftigeren Selbst zu suchen. Mit seiner unvergleichlichen Fähigkeit, das Unausgesprochene auszudrücken, stellt Cormac McCarthy eines der eindrucksvollsten Zeugnisse des literarischen Realismus und gleichzeitig eines der beeindruckendsten konservativen Werke unserer Zeit dar.