Warum Die Berlinale Nicht Mehr Das Ist, Was Sie Einmal War

Warum Die Berlinale Nicht Mehr Das Ist, Was Sie Einmal War

Die 63. Internationale Filmfestspiele von Berlin waren 2013 ein enttäuschendes Spektakel, dominiert von politischem Aktivismus statt cineastischer Leidenschaft. Wer braucht da noch eine rote Warnflagge?

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Es war einmal eine Zeit, in der die Internationale Filmfestspiele von Berlin, besser bekannt als die Berlinale, ein Highlight im Kalender der Filmwelt war. Doch 2013, vom 7. bis 17. Februar, bot die 63. Ausgabe der Veranstaltung wenig, um die Herzen der cineastischen Traditionalisten zu gewinnen. Inmitten der geschichtsträchtigen Straßen Berlins versammelten sich Filmemacher aus aller Welt, doch statt sich auf das Handwerk des Filmemachens zu konzentrieren, fühlte es sich an, als ob die Veranstaltung zu einer Plattform für politische Statements und soziale Gerechtigkeit geworden wäre - wie enttäuschend.

Wer braucht eine weitere Glorifizierung des politisch Korrekten? Während es einige interessante Filme auf der Veranstaltung gab, überwältigte die liberale Agenda den roten Teppich und machte es schwer, den wahren Fokus zu erkennen. Statt feinfühlige, künstlerische Wunderwerke zu feiern, sah es eher nach einer Versammlung aus, bei der jeder sein politisches Fähnchen in den Wind halten wollte.

Glücklicherweise gab es auch ein paar Höhepunkte, die das Publikum von dem allgegenwärtigen Aktivismus ablenken konnten. Der Goldene Bär ging an den rumänischen Film "Child's Pose" von Călin Peter Netzer, dessen psychologisches Drama einigen Zuschauern sicherlich die Augen öffnete. Währenddessen wagte Wong Kar-Wai als Jurypräsident den Versuch, den traditionelleren Filmen eine Bühne zu bieten, wenngleich das eine harte Schlacht war.

Aber mal ehrlich, wie viele dieser Filme bleiben in Erinnerung? Wann wurde das letzte Mal ein Film aus der Berlinale zu einem wahren Klassiker, den unsere Kinder noch in Jahrzehnten ansehen werden? Die Trennung zwischen künstlerischem Schaffen und politischer Botschaft scheint schmaler denn je zu sein. Diese Entwicklung mag für manche befreiend sein, doch sie birgt die Gefahr, dass der wahre künstlerische Ausdruck verlieren geht.

Es ist unbestreitbar, dass Film ein kraftvolles Medium für den sozialen Wandel sein kann. Aber wenn jede Show, jeder Auftritt und jede Äußerung ausschließlich um diese Agenden kreisen, bleibt wenig Raum für die feinen Nuancen, die das Kino einst großartig machten. Die Frage lautet nicht, ob Kunst das soziale Bewusstsein unterstützen kann, sondern warum sie es nicht ohne diese penetrante Unterströmung von moralisierendem Kontext tun kann.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Film sollte relevant sein. Doch wenn die künstlerische Qualität einem didaktischen Zeigefinger weichen muss, dann läuft etwas falsch. Die Berlinale 2013 bot nicht nur rote Teppiche und Fotoblitze, sondern auch Lektionen in politischer Konformität. Man fragt sich, ob das Publikum tatsächlich Filmliebhaber oder politische Netzwerker waren. Wirklich sehenswert war das nicht.

Im Ergebnis blieb eine Veranstaltung, die sich zunächst als leidenschaftliche Feier der Cinema-Künste tarnt, jedoch schnell in die vertraute Rhetorik der kulturellen Überlegenheit abdriftet. Vielleicht wird es eines Tages wieder Filme geben, die lediglich dafür geliebt werden, was sie sind: Geschichten, die fesseln, Figuren, die inspirieren, ohne ständig den Zeiger in Richtung Agenda zu haben. Bis dahin bleibt die Hoffnung, dass die Berlinale irgendwann zu ihren ursprünglichen Wurzeln zurückfindet und wieder Filme ins Zentrum rückt, die es verdienen.

Es ist höchste Zeit, dass jemand aufsteht und sagt: "Genug ist genug." Doch bei dieser Ausgabe der Berlinale fand sich kaum jemand dazu bereit. Vielleicht war dies nur ein weiteres Zeichen der Zeit, in der wir leben—eine, wo es wichtiger zu sein scheint sich politisch korrekt zu verhalten, als einfach nur die Magie des Kinos zu erleben. Möge der nächste Filmfestival bessere Tage bringen.