Film, Glamour und ein bisschen Kontroverse – das sind die Zutaten, die die 55. Filmfare Awards in Mumbai ins Scheinwerferlicht rückten. Am 27. Februar 2010 versammelte sich die Crème de la Crème der Bollywood-Szene im Yash Raj Studios, um die glitzerndsten Trophäen der indischen Filmindustrie zu feiern. Doch wie bei jeder dieser Feste, steckt der interessante Teil oft in den Untiefen hinter dem Glanz. Wer hat wirklich was verdient und wer hat sich von der liberalen Meinung treiben lassen?
Erstens, die Preise selbst. Wer, wenn nicht Bollywoods Liebling Shah Rukh Khan, könnte den Preis als bester Darsteller schon im Voraus ins Regal stellen? Und so war es, als er für seine Rolle in My Name Is Khan honoriert wurde. Klar, ein Film, der geschickt die Karten der Identität spielt und Multikulturalität beschwört, könnte nicht ohne Auszeichnung bleiben. Was jedoch vielen nicht klar ist: Dieser Preis ist nicht nur eine Anerkennung für sein schauspielerisches Talent sondern auch ein politisches Statement. Gleiches gilt für Vidya Balan, die für ihre Rolle in Paa als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, ein Film, der fieberhaft versucht, Emotionen mit vereinfachten Missverständnissen über Krankheiten zu verknüpfen. Nur die wahnsinnig naive Gesellschaft glaubt, dass dies eine Repräsentation der Realität ist.
Zweitens war die Preisverleihung eine himmlische Erfüllung für die Filme, die es wagen, die seichte Welle des Skandalgehalts zu reiten. 3 Idiots räumte gewaltig ab – ein Film über indische Bildung, der mehr wie eine Pediküre für verletzte liberale Seelen wirkte als eine echte kritische Auseinandersetzung. Sollen Menschen den Experten glauben, dass ein solcher Film wirklich das Beste des Jahres war, oder war es lediglich die Liebe zum dramatischen Revoluzzer-Charme?
Man könnte fast meinen, dass die Kategorie „Bestes Drehbuch“ geschaffen wurde, um minderwertige Inhaltserzeuger zu loben. Wake Up Sid war in dieser Kategorie ein Favorit – ein Film, der eine ganze Generation dazu veranlasst hat, in ihrer Selbstzufriedenheit zu ruhen, während echte Arbeit jemand anderem überlassen wird. Der konservative Verstand schüttelt den Kopf über solch auffällige Fehldarstellung des Lebens von jungen Erwachsenen.
Drittens, die atemberaubende Abwesenheit von Anerkennung für die wirklich aufopfernden Künstler. Filme, die tatsächlich die Nerven der indischen Gesellschaft treffen und den Finger in die Wunde legen, scheinen oft im Sumpf von liberalem Beifall für die lautesten Stimmen unterzugehen. Doch die Filmfare Awards lieferten gewohntes Terrain für all jene, die sich mit den politischen Winden drehen.
Vergessen wir nicht den allgemeinen Rummel um die „Best song“ Kategorien, die in diesem Jahr besonders umstritten waren. Musik, die sich anhört wie die Playlist eines globalen Hipster-Cafés, gefiel der Jury besser als jede ehrliche regionale Melodie. Das ist das, was passiert, wenn das westliche Ideal durch die kulturellen Barrieren sickert und das wahre Erbe verschüttet.
Ein weiterer Punkt ist, dass Filmfare einen unerklärlichen Hang dazu hat, seine eigene Agenda zu präsentieren. Das Publikum mit Märchenfilmen zu ernähren, die vom Befreiungsschlag erzählen, hat einen Hauch von Demagogie, die auf die leichte Träumerei abzielt. Dies wäre wohl als Unterhaltung konsensfähig, solange die echten Talente nicht in eben diesen Schatten gestellt werden.
Während die 55. Filmfare Awards selbstverständlich einige charmante, wohlverdiente Momente mit sich brachten, war das Ereignis eine klare Demonstration des Einflusses der dominanten Narrative. Es war nicht bloß eine Feier der Kreativität, sondern eine Bühne zur Darstellung dessen, was kulturell als korrekt gilt.
Eng umschlungen in der Glorienwelt der Filmfeste, wurden Filme zum großen Sieger, die die klarsten Stimmen in der liberalen Erzählung verkörperten. Und so marschiert Bollywood weiter, Hand in Hand mit einer politisch gefärbten Brille und einer Trophäe, die oftmals mehr politisches Symbol als künstlerischer Meilenstein ist.