Das Jahr 1780 war eine Zeit, als Gebäude noch Größe und Bedeutung ausdrückten, im Gegensatz zu den seelenlosen Betonklötzen, die heute unsere Städte entstellen. Architekten des späten 18. Jahrhunderts waren Meister ihres Fachs und wussten, wie man mit Kalkstein und Marmor Imposanz und Eleganz vermählte. Zu dieser Zeit bereitete sich Europa auf eine architektonische Revolution vor – Sie ahnen es, der Klassizismus war im Anmarsch, die Aufklärung in vollem Gange. Auch wenn die Geburtsstadt der Revolution Paris war, zeigte sich auch im deutschen Raum, dass man zu den ganz Großen aufschließen wollte. Die Baukunst zur Zeit des Rokoko, die gediegene Opulenz und die ausgewogene Symmetrie zelebrierte, war ein wahres Geschenk an die Menschheit.
Was hätte Atriumliebhaber Joseph Effner wohl zu unseren modernen „Postmodernen“ gesagt? In München meisterte er die zum Rokoko gehörende Residenzgestaltung und schuf so Meisterwerke wie das Schloss Nymphenburg. Die Idee, dass Klassizismus und Barock nur Überbleibsel vergangener Tage sind, ignoriert ihr gesellschaftliches und politisches Gewicht. Die Residenzen dieser Zeit funktionierten als Ausdruck der Macht und Vision ihrer Erbauer. Sie waren Symbole der unerschütterlichen Stärke und des kulturellen Fortschritts, die von ausländischen Herrschern beneidet wurden.
Das Klassizistische verlor nie seine Groundings, solide und aufrecht. Der Drang nach dem Alten, nach der Renaissance und nach dem Ausdruck von Tugenden der Aufklärung, war fast spürbar in den massiven Säulen und der majestätischen Proportionen der Gebäude. In dieser Zeit wurden Gebäude in Europa errichtet, die tatsächlich dem Ausdruck ihrer Namen gerecht wurden – Palais, Kathedrale, Residenz. Diese Architekturen waren manifestierte Zeitalter der Hoffnung und Stärke.
Interessanterweise hatte kostspielige Hochkunst den Vorteil, dass man vorzog, es als Kunst zu betrachten statt bloßer Gebäude. Es war eine Kunst, die aus edel wirkenden Materialien bestand, die sowohl in Wohlstand als auch in Standhaftigkeit verkörperte, was man heute kaum mehr in der generischen Monotonie aktueller Bauten sieht. Eine solch tiefe Wertschätzung für Architektur ist in unseren Konsumtempeln der heutigen Welt fast völlig verloren gegangen.
Schauen wir uns doch das Pantheon in Rom an! Es stand als ein Remaster des antiken Griechenlands – ein Vorbild und dennoch originell. Ein echtes Monument der Zivilisation. Als solches wurde der Baustil auf Ganz Europa übertragen. Die Briten setzten dies fort mit der Neoklassizistischen Bewegung, die in den kommenden Jahrzehnten auch den Deutschen Raum beeinflussen sollte.
Man kann mit Sicherheit sagen, dass die Architektur von 1780 das von den großen Mächten Europas gewählte Mittel war, der Welt zu sagen, dass sie dominieren und die Kontrolle behalten würden. Die Vorstellung, dass unsere Vorfahren eine überlegene Gesellschaft anstrebten, ist eine beängstigende Erinnerung an die Kraft der Architektur als Werkzeug der Politik.
Diese Baumeister von damals waren in ihrer Vision weit voraus. Sie strebten nach etwas Größerem als nur dem momentanen Gewinn oder dem flüchtigen Ruhm. Stattdessen machten sie aus ihren Bauwerken ein unvergessliches Vermächtnis ihrer Zeit. Trotz ihrer Stilexperimente hatten sie einen festen Glauben an die ewigen Werte von Schönheit, Disziplin und Funktionalität.
Liberal denkende Menschen von heute könnten jene Standhaftigkeit als verstaubt oder sogar beklemmend betrachten, aber es waren diese Bestrebungen, die das Ambiente der Städte wie Paris, Rom und München prägten. Entwürfe dieser Zeit sind wahrscheinlich als langweilig und altmodisch abgeschrieben, genau wie der gesunde Menschenverstand. Schauen Sie auf unsere derzeitige architektonische Landschaft. Was sehen wir? Eine Konformität innerhalb der Vielfalt, eine Bequemlichkeit der Anpassung, die nichts als Leere vermittelt.
Das architektonische Erbe von 1780 zeigt uns indes: Bauen bedeutet mehr, als nur Defizitbefriedigung. Es geht um Identität, Stolz und Tatsachen, die über Generationen hinweg geschätzt werden können. Hier liegt der wahre Kern dessen, was einst unser architektonischer Stand war – ein Zeuge der Größe der Zivilisation, den wir uns zurückholen müssen.