Warum Fieberträume grün sind: 100° und steigend

Warum Fieberträume grün sind: 100° und steigend

Die Dokumentation '100° und steigend' beleuchtet die Herausforderungen von Frauen in der amerikanischen Filmindustrie und lässt keinen Stein auf dem anderen. Ist es ein Alarmschrei oder nur das alte Klischee in einem neuen Gewand?

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Schnallt euch an, es wird heißer! "100° und steigend" ist wie ein Kinobesuch, bei dem einem der Film unter die Haut geht. Die 2015 veröffentlichte Dokumentation des renommierten Frauenfilmverbands (WIFT) untersucht die Karrierehindernisse, mit denen Frauen im amerikanischen Filmbusiness konfrontiert werden – und ja, das ist eben manchmal ein ziemliches Drama. Sie gibt Einblicke in die jahrzehntelangen Bemühungen um Gleichstellung und stellt die Frage danach, warum bei Männern immer die Sonne scheint, während Frauen sich mit ein paar Tropfen begnügen müssen. Am Beispiel von Filmemacherinnen, die Einblick in Hollywoods wilde Welt geben, vermittelt der Film ein packendes Bild darüber, wie der Weg zum Erfolg voller Hindernisse sein kann.

Aber mal ehrlich, ist das Ganze nicht einfach nur das alte ‚Männers sind schuld‘-Klischee in einem anderen Gewand? Laut dem Film ist die Branche nicht nur männerdominiert, sondern fast schon hermetisch abgedichtet gegen jede Art von weiblicher Einflussnahme. Kritiker sagen jedoch, Frauen hätten längst eigene Wege gefunden, um dies zu umgehen und ihre Projekte zu platzieren. Egal ob Indie-Pfade oder der Sprung zu Streaming-Diensten - es gibt immer einen Weg.

Erstaunlich ist die Art und Weise, wie der Film den Fokus immer wieder auf die gleichen ‚Usual Suspects‘ lenkt. Es gibt da natürlich die großen Figuren: die mächtigen Produzenten, die männlichen Regisseure mit ihren Oscar-Statuen und das Lächeln, das als Brandschutzschild gegen jede Art von Kritik dient. Auch wenn der Film tatsächlich einige Missstände aufdeckt, stellt sich bald die Frage, ob dieser Kampf nicht schon längst auf anderen Schlachtfeldern erfolgreich geschlagen wird.

Die Frage ist doch: Sind die steinigen Wege für Frauen nicht eher eine Herausforderung, die den Wert des künstlerischen Schaffens erhöht? Geht es nicht immer um die Qualität und nicht um die Quote? Diese tiefen Fragen über die Inszenierung von Geschlechterkampf betreffen übrigens nicht nur die Filmindustrie. Viele junge Filmemacherinnen haben den Weg zu Produktionsfirmen längst verlassen und ihre eigenen, erfolgreichen Wege gefunden – ganz ohne ins patriarchale Fallenstellennetz zu geraten.

Und hier kommen wir zu dem, was eigentlich eine echte Erfolgsgeschichte ist. Frauen haben heute mehr Instrumente und Plattformen denn je, um ihre Geschichten zu erzählen. Social Media, YouTube und Plattformen wie Kickstarter & Co. ermöglichen eine neue Form des Storytellings, die völlig abseits der traditionellen Strukturen liegt. Das bedeutet echte Freiheit, und ja, auch echtes Feuer, wenn man den selbstbestimmten Weg geht, statt auf den großen Durchbruch im System zu warten.

Vielleicht sollten wir den Fieberträumen ein Ende setzen, und endlich mal die Erfolge feiern. Es gibt ja schließlich geniale Filmemacherinnen, denen es gelingt, ihre Werke im großen Stil zu platzieren. Sicherlich, es gibt immer noch Barrieren und nicht wenige Herausforderungen, die in der Branche bestehen. Doch die Lösung ist nicht die endlose Debatte über ein strukturelles Problem, das es nicht mehr in diesem Umfang gibt.

"100° und steigend" lässt uns in einer wohltemperierten aufgeheizten Diskussion zurück, die zum Nachdenken anregt. Es gibt keine alleingültige Lösung, doch mehr Mut zur Veränderung und zur Innovation könnte helfen, das Temperaturhöchststand-Problem der weiblichen Regisseurinnen zu lösen. Ja, es ist Zeit, diese Dokumentation nochmals zu beleuchten und zu fragen: Ist der Horizont endlich näher als manchmal Dorf und Kirche?

So viele von uns haben längst verstanden, dass der Weg zu mehr Gleichheit in der Filmindustrie nicht über Schuldzuweisungen führt, sondern über die Freiheit, eigene Wege zu gehen und die festgefahrenen Schienen zu verlassen, auf denen die alte Garde noch immer gerne fährt.