Wer hätte gedacht, dass man in der Welt der Videospiele mit einem Wurmloch Strawberries anbauen würde? So verrückt und zugleich faszinierend ist Konamis „Metal Gear Survive“, ein Survival-Action-Game, das 2018 in die Läden kam. Die Handlung des Spiels ist eingebettet in das „Metal Gear“-Universum, jedoch ohne den berüchtigten Schöpfer Hideo Kojima. Die Abwesenheit des Meistermachers löste unter Fans gemischte Gefühle aus, die zwischen neugieriger Erwartung und purer Skepsis schwanken, besonders in einer Welt, die von Zombies und alternativen Realitäten geprägt wird.
„Metal Gear Survive“ setzt direkt nach den Ereignissen von „Metal Gear Solid V: Ground Zeroes“ an, als ein Wurmloch einen Teil von Mother Base und einige der Charaktere in eine düstere Parallelwelt katapultiert. Dort kämpft der Spieler nicht nur gegen feindliche Kreaturen, sondern auch gegen das Verhungern und Verdursten. Die kreative Wendung der Serie weg von einer erzählerisch tiefgreifenden Spionageoperation hin zu einem kooperativen Survival-Spiel ist sicherlich mutig, doch sie erinnert uns daran, wie wandelbar und adaptiv die Gaming-Welt sein kann. Trotzdem müssen wir uns fragen: Ist Metal Gear ohne Kojima noch Metal Gear?
Die ersten Schritte in der kargen, unwegsamen Wildnis von „Dite“, der Welt, in die das Wurmloch führt, sind ein Balanceakt zwischen Ressourcen-Management und strategischem Kampf. Spieler sammeln alles, was nicht niet- und nagelfest ist, vom Stofffetzen bis hin zu wertvollen Fertigungsmaterialien, die für das Überleben vonnöten sind. Der Bau von Verteidigungsanlagen und das Einrichten eines Lagers sind essenziell, während man in der unwirtlichen Umgebung Nachschub sucht. Bei aller Spannung in den Kämpfen ist es eine unerwartete Rückkehr zu den Ursprüngen menschlichen Überlebens: Nur nicht gegen die Elemente verlieren.
Die Spaltung in der Spielerschaft rührt von den unterschiedlichen Erwartungen an ein „Metal Gear“-Spiel her. Viele traditionelle Fans der Serie verbinden diese mit einer cineastischen Story und tiefen philosophischen Nuancen im Gameplay. „Metal Gear Survive“, mit seinem Fokus auf Teamarbeit und Überlebenstaktiken, entfernt sich davon. Doch auch wenn wir verständlicherweise den kreativen Geist von Kojima vermissen, bietet das Spiel dennoch eine interessante und herausfordernde Erfahrung – man darf aber nicht vergessen, seine Erwartungen anzupassen.
Im Gegensatz zur Einzelkämpfer-Mentalität früherer Titel fordert „Metal Gear Survive“ Teamarbeit. Es gibt einen kooperativen Mehrspielermodus, der vier Spieler einlädt, gemeinsam gegen die Horden von Wanderern zu kämpfen. Dies verleiht dem Spiel eine zusätzliche soziale Dynamik, die viele Spieler bei Laune halten kann. Jedoch fehlt im Solo-Spiel manchmal die emotionale Tiefe, die Fans sich wünschen, wenn sie im Kampf gegen die apathischen Kreaturen stehen, die sich ihnen in den Weg stellen.
Für Generation Z, die mit sozialen Medien und digitaler Vernetzung aufgewachsen sind, könnte diese kooperative Komponente äußerst reizvoll sein. Multiplayer-Games sind sehr populär und bringen eine Gemeinschaft zusammen, sodass „Metal Gear Survive“ hier seine Stärke präsentieren könnte. Kritiker hingegen könnten darauf aufmerksam machen, dass dies nicht ausreiche, um den Mangel an Story-Elementen zu kompensieren – etwas, das die bisherigen Spiele der Reihe immer exzellent gemeistert haben.
Der politische Kontext des Spiels, angesichts der modernen Ängste und Debatten über Parallel-Dimensionen und das Unbekannte, berührt aktuelle gesellschaftliche Bedenken. Die Vorstellung, irgendwo in eine gefährliche fremde Welt hineingeworfen zu werden, könnte als Allegorie für die Herausforderungen gesehen werden, vor denen viele junge Menschen heute stehen. Ob es darum geht, einen Job zu finden, mit dem man seine Miete zahlen kann, oder darum, den Klimawandel zu bekämpfen.
Trotz der Kritik und hitzigen Debatten zeigt „Metal Gear Survive“, dass die Grundlagen eines Spiels nicht immer von historischem Gepäck oder Erwartungen diktiert werden müssen. Es beweist, dass Unterhaltung und Storytelling flexibel und wandelbar bleiben müssen, um mit der Zeit zu gehen und in unseren Köpfen und Herzen ihren Platz zu finden. Selbst wenn es bedeutet, sich gegen Zombie-Horden zu verteidigen, während man in einer Parallelwelt ein Lager aufbaut – das Abenteuer ruft!