Wenn man an München denkt, kommen einem vielleicht zuerst Gedanken an Biergärten und das Oktoberfest in den Sinn. Doch diese Stadt birgt auch Geschichten aus dunkleren Zeiten, wie die von Karl Fiehler, einem zentralen NS-Funktionär. Geboren wurde Karl Fiehler 1895 in Braunschweig, doch seine Spuren hinterließ er vor allem als Oberbürgermeister von München während der NS-Zeit, von 1933 bis 1945, der langen Schatten, die er durch seine politische Laufbahn hinterlassen hat, prägen die Stadt bis heute.
Fiehler war kein Nazi von Anbeginn, sondern trat der NSDAP erst 1929 bei. In Zeiten, in denen Europa in politischer Instabilität versank und populistische Bewegungen an Aufwind gewannen, suchte Fiehler in der aufkommenden Bewegung eine Antwort – eine Erklärung für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme jener Tage. 1933 setzte seine Karriere einen bedeutenden Schritt vorwärts, denn als enger Vertrauter Adolf Hitlers wurde er zum Oberbürgermeister von München ernannt.
Als Oberbürgermeister war Fiehler bekannt für seine rigorose Implementierung nationalsozialistischer Ideologien. Er war an der Verbreitung antisemitischer Propaganda beteiligt und spielte eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung Münchens in die „Hauptstadt der Bewegung“. Dies war kein einfacher Verwaltungsjob, sondern eine politisch belastete Führungsposition. Er war aktiv bei der Organisierung von Veranstaltungen wie riesigen Parteiversammlungen, die München zum NS-Zentrum machten.
Es ist schwierig, die Rolle solcher Personen zu verstehen, ohne die damaligen sozialen Umstände zu berücksichtigen. Während des wirtschaftlichen Abstiegs und der politischen Unruhen in der Weimarer Republik suchten viele nach Stabilität und einer starken Führung. Fiehler nutzte gezielt die Chancen, die sich ihm durch das Aufstreben der NSDAP boten. Für viele in der damaligen Zeit war es eine reizvolle – wenn auch gefährliche – Alternative zum vermeintlich unfähigen demokratischen System.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fiel das gesamte Kartenhaus in sich zusammen. Fiehler wurde 1949 von einem deutschen Entnazifizierungsgericht zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt. Anders als einige andere Funktionäre wurde er nicht zum Tode verurteilt, was in seinem Fall wohl einem Mangel an direkter Beteiligung an Kriegsverbrechen zuzuschreiben war – eine Einschätzung, die bis heute Diskussionsstoff bietet.
Zu diskutieren bleibt auch die komplexe Frage der Wiedereingliederung von NS-Funktionären in die junge Bundesrepublik und der Balance zwischen Vergangenheit und Zukunft. Besonders bei Karl Fiehler wird deutlich, wie schwierig die Aufarbeitung von Geschichte ist. Die Generationen nach dem Krieg mussten lernen, mit der Tatsache zu leben, dass viele ihrer Stadtväter, wie es bei Fiehler der Fall war, weitreichend in das nationalsozialistische Machtsystem eingebunden waren.
Fiehler hat nach seiner Freilassung bis zu seinem Tod 1969 zurückgezogen in die Privatheit gelebt, vermied weitere politische Ambitionen und betrachtete seine Amtszeit nicht als moralischen Fehltritt – ein Aspekt, der bei vielen damals und heute auf Unverständnis stößt. Die Reflexion der Geschichte zeigt, wie unterschiedlich das Verständnis und die Aufarbeitung dieser düsteren Kapitel sind.
Eine der Hauptfragen, die sich Generation Z stellt, ist, wie man mit einem derartigen Erbe umgehen sollte. Sollen solche Personen und ihre Machenschaften verschwiegen oder als Mahnmale der Geschichte betrachtet werden? Die Stadt München hat diesbezüglich einiges zu tun und bemüht sich, Fiehlers Amtszeit zu kontextualisieren. Museen und Gedenkorte sind Teil der modernen Landschaft, um die jungen Generationen an die Fehler der Vergangenheit zu erinnern und die Werte der Demokratie zu schätzen.
Die Geschichte von Karl Fiehler ist eine Erinnerung daran, wie Einzelpersonen und ihre Entscheidungen den Lauf der Geschichte beeinflussen können. Fiehlers Einfluss auf München war gewaltig, und seine Geschichte bietet eine eindringliche Warnung vor den Gefahren extremistischer Bewegungen. Generation Z ist aufgerufen, aus diesen vergangenen Fehlern zu lernen und eine kritischere Haltung gegenüber der Machtpolitik einzunehmen.
Dass die Auseinandersetzung mit Vergangenem nicht immer einfach ist, liegt auf der Hand. Doch die Reflexion dieser Kapitel ist notwendig, um sicherzustellen, dass die Geschichte sich nicht wiederholt. Gerade junge Menschen sind es, die durch ihr kritisches Denken und Engagement die Zukunft gestalten können – eine Zukunft, in der Toleranz, Freiheit und Demokratie die höchste Priorität haben sollen.