Stell dir vor, die Zukunft würde mit den Fantasien der 1930er Jahre vermischt – so etwa fühlt sich der Film "Die Form der Dinge, die kommen werden" an. Dieser britische Science-Fiction-Film wurde von William Cameron Menzies im Jahr 1936 inszeniert und basiert auf dem gleichnamigen Roman von H.G. Wells. Gedreht in den Denham Studios in England, entführt er uns in eine dystopische Zukunftswelt. Man kann sich kaum der Faszination entziehen, wie optimal Timetravel ohne eine wirkliche Zeitmaschine sein kann.
In dem Film beginnen die Geschehnisse nur wenige Jahre nach seiner Veröffentlichung und spannt den Bogen bis ins Jahr 2036 – eine Zeit, die für das damalige Publikum wie schier unerreichbare Zukunft erscheinen mag, und für uns ironischerweise bereits näher rückt. Die Geschichte zeigt, wie die Welt in Kriegswirren versinkt, neu aufgebaut wird und dann eine beinahe utopische Form annimmt, in der technologische Fortschritte das Leben dominieren. Ein faszinierendes Grundthema ist der Konflikt zwischen Fortschritt und den etlichen Gesellschaften, die sich entschieden gegen Veränderungen sträuben. Auf eindrucksvolle Weise spiegelt der Film somit die Ängste und Hoffnungen seiner Zeit wider.
Interessant ist, dass der Film in einer Phase gedreht wurde, in der die Welt sich tatsächlich in einem rasanten Wandel befand. Die 1930er Jahre waren stark geprägt von der Bedrohung durch den aufkommenden Zweiten Weltkrieg und den anhaltenden Auswirkungen der großen Depression. Menschen suchten nach Hoffnung und einem Weg, alte Strukturen zu überwinden und Erneuerung zu schaffen. "Die Form der Dinge, die kommen werden" bot genau das: Ein visionäres Bild der Zukunft, das die Gefahren ignoriert, oder besser transformiert, anstatt sie einfach zu bekämpfen.
Jedoch ist nicht alles Optimismus in diesem Zukunftsszenario. Der Film zeigt auch die unterschwelligen Gefahren technologischen Fortschritts auf. Da ist die Sorge, dass Menschen zu sehr auf Maschinen vertrauen und das Menschliche verloren gehen könnte. Viele in der Öffentlichkeit stellen sich die Frage, ob technologischer Fortschritt tatsächlich das Glück bringt, das er verspricht, oder ob dies nur eine weitere Form von Machtkonsolidierung ist, die letztlich zu einer monotonen Welt ohne kreative Impulse führt.
Für die jüngere Generation könnte die schlichte Ästhetik des Films gleichzeitig antiquiert und dennoch inspirierend wirken. Der Kontrast zwischen der gestern gedachten Zukunft und unserer heutigen Realität könnte Anklang bei einer Generation finden, die tagtäglich zwischen Analogem und Digitalem navigiert und häufig mit der Vorstellung zu kämpfen hat, was "Fortschritt" in einer nachhaltigen Welt eigentlich bedeuten sollte.
Es wäre fahrlässig, die Debatte zu vermeiden, ob nicht genau solche Filme mit ihrer renommierten "weichen" Propaganda dazu beigetragen haben, viele unserer heutigen Technologien erst begehrenswert zu machen. Gegner könnten argwöhnen, dass diese Idealisierung einer futuristischen Technologie das Bewusstsein für die ethischen Implikationen verdeckte. Gleichzeitig hilft uns der Film, über die eigentlichen Visionen und Illusionen der Vergangenheit nachzudenken und unsere Position in einer technisierten Zukunft besser zu verstehen.
Ein weiteres faszinierendes Element des Films ist seine Darstellung von Führerschaft und Macht. Die Art und Weise, wie verschiedene Charaktere auf Wandel reagieren – sei es mit Begeisterung oder Widerwillen – gibt uns einen Einblick in menschliches Verhalten im Angesicht unaufhaltsamer Veränderungen. Dies könnte gerade für junge Menschen von Bedeutung sein, die sich in einer Welt der permanenten Umbrüche und Anpassungsformen bewegen.
"Die Form der Dinge, die kommen werden" bietet auch eine Gelegenheit, die persönlichen und kollektiven Werte zu hinterfragen. Was ist wahrer Fortschritt? Was sind wir bereit zu opfern, um eine bessere Zukunft zu schaffen? In welcher Welt wollen wir leben? Solche Fragen bleiben relevant und bewegen viele in der Generation Z, die Zeuge von unzähligen ethischen und sozialen Fragestellungen in Bezug auf Umwelt, Technologie und Gerechtigkeit wird.
Obwohl der Film ein vergangenes Bild von „Zukunft“ zeigt, bleibt sein Reiz zeitlos. In ihm können wir sowohl die Befürchtungen von gestern als auch die Hoffnungen für morgen erkennen. Vielleicht ist es gerade der historische Ausdruck einer möglichen Zukunft, der uns heute zum Nachdenken und Hoffen anregt.